Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens unter Bildung von mindestens zwei Bruchstücken (Fragmenten), die durch einen Bruchspalt voneinander getrennt sind. Eine Sonderform ist die Infraktion, bei der sich nur ein Spalt (Fissur), eine Delle (Impression) oder eine Stufe findet, ohne dass der Knochen vollständig durchtrennt ist.
Ursache und Einteilung: Die meisten Knochenbrüche sind verletzungsbedingt (traumatische Fraktur). Bei direktem Knochenbruch bricht der Knochen am Ort der Gewalteinwirkung, beim indirekten ist der Ort der Gewalteinwirkung nicht identisch mit dem Ort des Bruches. Je nach Art der Gewalteinwirkung kommt es zu einem Biegungsbruch (Flexionsfraktur), wobei sich oft ein Biegungskeil als drittes Fragment loslöst, oder – durch Drehung eines an einem Ende fixierten Röhrenknochens – zu einem Drehungsbruch (Spiralbruch, Torsionsfraktur) mit einem spiralförmigen Bruchspalt. Ein Defektbruch geht mit Verlust von Knochensubstanz einher. Ein Stauchungsbruch (Kompressionsfraktur) entsteht durch Quetschung oder Einwirken einer Druckkraft in Längsrichtung des Knochens. Er entsteht z. B. an Wirbelkörpern durch Sturz auf das Gesäß oder den Kopf. Ist ein langer Röhrenknochen betroffen, kann sich der Knochenschaft in sein gelenkbildendes Endstück (Epiphyse) verkeilen. Bei einer Extensionsfraktur wirkt die Gewalt auf eine gestreckte Gliedmaße.
Im Gegensatz zu den verletzungsbedingten Knochenbrüchen treten Spontanbrüche z. B. als Ermüdungsbruch durch Dauerbelastung auf. Sie können auch Folge einer veränderten Knochenstruktur wie bei Osteoporose oder Tumoren des Knochens sein.
Befund: Ein einfacher Bruch liegt vor, wenn der Knochen an einer Stelle in zwei Einzelteile (Fragmente) zerbricht. Beim Mehrfragmentbruch handelt es sich um 3–6, beim Trümmerbruch um mehr als sechs Fragmente. Bricht der Knochen an zwei Stellen, zwischen denen sich ein größeres Bruchstück befindet, wie dies z. B. durch eine Stoßstangenverletzung verursacht werden kann, spricht man von einem Stückbruch.
Eine Fragmentverschiebung (Dislokation), die Verschiebung der Bruchenden, kann durch von außen einwirkende Gewalt, Muskelzug an den Fragmenten, falsche Lagerung und zu frühe Bewegung oder Belastung entstehen. Werden Knochenfragmente nach innen verschoben, spricht man von einer Impressionsfraktur, z. B. durch Gewalteinwirkung auf den Schädel. Beim geschlossenen Knochenbruch ist die Haut über der Verletzung intakt. Beim offenen Knochenbruch sind Haut und Weichteile über der Bruchstelle verletzt.
Sichere Knochenbruchzeichen sind eine Fehlstellung durch Verschiebung, eine abnorme Beweglichkeit, ein fühl- oder hörbares Knochenreiben (Krepitation) bei Bewegung sowie die bei einem offenen Bruch sichtbaren Knochenteile. Unsichere Knochenbruchzeichen sind Schmerzen, Schwellung, Blutergüsse und eine Störung der Beweglichkeit. Die Diagnose wird durch Röntgenaufnahmen, gelegentlich auch Computertomografie oder mittels anderer bildgebender Verfahren gestellt. Bei jedem Knochenbruch sind Verletzungen von Nerven, Gefäßen, Weichteilen oder inneren Organen möglich.
Behandlung: Der einfache Knochenbruch kann oft durch eine Ruhigstellung in einem Gipsverband behandelt werden. Ist der Bruch verschoben, muss er vorher wieder eingerichtet werden. Brüche mit Gelenkbeteiligung, offene Knochenbrüche und stärker verschobene Brüche werden meist operativ versorgt (Osteosynthese). Beim älteren Menschen wird ein Knochenbruch der Beine meist operiert, um eine frühzeitige Mobilisation zu ermöglichen.
Die Heilungsdauer ist abhängig vom Alter des Betroffenen: Beim Kind heilt der Knochenbruch schneller als beim Erwachsenen. Ferner bestimmen die Lokalisation des Knochenbruchs, die Durchblutung und Begleitverletzungen die Heilungsdauer. Sie schwankt zwischen 2–3 Wochen, z. B. beim Fingerbruch oder bei günstigem Verlauf eines Grünholzbruchs, und drei Monaten, z. B. beim Bruch des Kahnbeins oder des Beckens. Röntgenkontrollen geben Aufschluss über den Fortschritt der Bruchheilung.
Als Komplikation besteht bei offenen Knochenbrüchen die Gefahr der bakteriellen Verschmutzung der Weichteile und des Knochens mit nachfolgender Infektion und Knochenmarkentzündung. Brüche großer Knochen wie Becken oder Oberschenkelknochen können einen erheblichen, evtl. lebensgefährlichen Blutverlust verursachen. Durch die Schwellung kann es zu einem Kompartmentsyndrom kommen. Eine verzögerte Knochenbruchheilung oder die Bildung eines Falschgelenks sind weitere mögliche Komplikationen. Ein Knochenbruch mit Gelenkbeteiligung hat oft einen vorzeitigen Verschleiß im betreffenden Gelenk (Arthrose) zur Folge.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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